Montag, 19. Dezember 2016

360° Kamera

Schon seit einigen Jahren mache ich begeistert Kugelpanoramen, seit es die Google SmartPhone-Kamera mit "PhotoSphere" gibt. Das funktioniert meistens ganz gut, aber hat halt auch so einige Nachteile, in erster Linie bedingt durch den Ablauf: Man dreht sich im Prinzip einmal voll im Kreis und macht dabei eine ganze Reihe einzelner Fotos, von ganz oben bis ganz unten. Zum einen dauert das eine ganze Weile und zum anderen ist man halt auch nicht immer allein in der Gegend, so dass gewisse Objekte (in der regel Menschen) ihre Position verändern. Wenn es gut läuft, verschwinden diese Personen ganz aus dem Bild, aber meistens bleiben Teile übrig. Was anfangs noch lustig aussieht stört mit der Zeit aber eher. Vor allem, wenn es nicht nur eine Person ist.
Ein weiteres Problem sind sog. Stitchingfehler, wenn die ganzen Einzelbilder zusammengesetzt werden. Das ist nämlich häufiger nicht ganz so sauber, zumal man die Kamera ja nun doch nicht exakt an der gleichen Stelle bewegt. Besonders häufig tritt das bei nahen Objekten auf.
Naja, wenn alles auf Anhieb funktioniert und man ein gutes Ergebnis (mit 40MPix Auflösung) hat  ist alles gut. Wenn man aber minutenlang Einzelbilder macht und das Ergebnis weniger toll oder ganz Müll ist macht es keinen Spaß.

Um zu verstehen, was ich damit meine, hier zwei Beispiele. Ein gutes PhotoSphere (am Roque Nublo auf Gran Canaria) und ein weniger dolles (wegen besagter Probleme) vom abendlichen Times Square in New York City.



Nun, nach einigem hin- und her Überlegen habe ich mich (wahrscheinlich) entschlossen, mir eine Vollsphärenkamera zu kaufen. Also Kamera in die Hand nehmen, Knöpfchen drücken und das Rundherumpanorama ist fertig. Gerade in Anbetracht der Reise nächsten Sommer möchte ich auf die Rundumsicht-Funktion nicht verzichten, dabei aber auch nicht ständig minutenlang beschäftigt sein.

Ich hatte schon vor etwa einen halben Jahr mit dem Gedanken gespielt, allerdings sagten mir die vorhandenen Angebote da nicht so wirklich zu. Es war ging mir meist irgendwie um zu wenig Auflösung für zu viel Geld. Anfangs war die Ricoh Theta S  das einzig wirklich interessante Modell, kostete aber auch knapp 400€. Für Kugelpanoramen mit 14MPix und Full-HD 360° Videos.
Nun, exakt das Modell hatte sich allerdings der Womke gekauft und so konnte ich mir dann einige Praxisbilder ansehen. Und gerade in Räumen und/oder mit vielen Leuten waren die Ergebnisse durchaus ansehnlich. Also genau dort, wo die Handarbeit mit dem Handy so gar nicht funktioniert.
Klar ist die Auflösung nicht vergleichbar, irgendwo hin zoomen kann man sich meist schenken, aber in der Regel geht es darum auch gar nicht.
Inzwischen gab es auch (neben günstigen China-Varianten mit meist deutlich niedrigerer Auflösung) einige Alternativen in der Preis/Leistungsklasse, speziell von Samsung und LG.
Gerade die Samsung-Cam kam bei Tests ganz gut an, aber benötigt zur vollen Funktion ein entsprechendes Galaxy-SmartPhone aus gleichem Haus. Sowas klingt schon sehr nach Apple und kommt daher auch nicht in Frage.
Die LG-Cam hat ähnliche Eckdaten, war von Anfang an etwas günstiger, schnitt in Tests aber durchwachsender ab. Also wollte ich erst einmal weiter abwarten.
Nachtrag an dieser Stelle, danke an Sven B. für den Hinweis: Die Jungs von XDA haben sich die Samsung-App mal vorgenommen und die enge Kopplung zu deren eigenen Oberklassen-Smartphones entfernt. Die dort bereitgestellte Version ist somit wohl uneingeschränkt (?) auch mit anderen Handy zu verwenden.
Nun gab es neulich die besagte Theta S bei Amazon im Angebot (289€) und so setzte ich mich mit Womke in Kontakt, um noch einmal Erfahrungen zu hören. Die bekam ich und dabei gleich noch weitere Fotos, u.a. aus dem Wanderurlaub in den Alpen.
Zudem erfuhr ich, dass es ein Nachfolgemodell mit gleicher Technik (aber Videozeit ist auf 5min beschränkt und der HDMI-Ausgang fehlt) gibt, heißt nun Theta SC.
Parallel las ich mich wieder etwas ein und stieß dabei auf die LG, die seit der Veröffentlichung einige Updates bekommen hatte und die Ergebnisse inzwischen besser wären.

Nun machte ich folgendes: Ich bestellte mit die LG-Cam und lieh mir gleichzeitig die Theta S von Womke aus. Mal die beiden Kandidaten hübsch vergleichen.
Inzwischen sind einige Tage (samt Wochenende) ins Land gezogen und ich bin mit meinen Tests auch durch.
Das Ergebnis: Ich werde die LG behalten!

Im Prinzip geben sich die beiden Modelle nicht viel, die Bildqualität ist durchaus vergleichbar. Es gibt kein professionelles Ergebnis, was bei den Auflösungen (und entsprechendem Preis) auch nicht zu erwarten war.

Die Theta S liefert (Out-of-the-Box) bei schlechtem Licht die etwas besseren Ergebnisse, da ist das Bild der LG etwas zu dunkel. Wenn es dagegen hell ist, passt die Belichtung der LG besser, da wirkt das Bild der Ricoh etwas überstrahlt.
Beide "Naja-Ergebnisse" lassen sich relativ leicht brauchbar korrigieren (ich mache das in der Regel mit den Bordmitteln von Google Fotos) oder aber vorab durch Nutzung der entsprechenden SmartPhone-App und Verwendung der Belichtungskorrektur im manuellen Modus umgehen.

Hier mal zwei Beispielbilder bei schönem Sonnenschein. oben das etwas helle Bild der Ricoh, darunter der LG. Beides stand-alone ohne App aufgenommen. Einfach Kamera an und den Auslöser gedrückt.




Zu den Apps:
Sowohl die kleinen Tools von Ricoh als auch LG haben einen ähnlichen Umfang: Verbindung herstellen, als Fernbedienung fungieren, die Einstellungen der Kamera ändern/anpassen, Ergebnisse sichten und schließlich natürlich die Daten übertragen.
Die Variante von LG gefiel mir dabei besser, sie lief insgesamt "runder" und auch zuverlässiger, war schöner anzusehen und zudem auch funktionell abgestimmter.
Bei der Ricoh musste ich vorher das Kamera-eigene WLAN auswählen, sonst gab es eine Fehlermeldung, die App von LG machte das alles nach der Ersteinrichtung selbstständig: Nach dem Start verband sie das Handy automatisch mit dem eigenen WLAN (ggf. wurde die Cam sogar vorher per Bluetooth noch eingeschaltet) und nach dem Beenden wurde das WLAN selbstständig wieder auf das vorher genutzte umgestellt.
Die Übertragung von Fotos geht sehr flott, bei Videos sollte man schon etwas Zeit mitbringen (hier ist man ja schnell bei einigen hundert MB).

Da die beiden von mir getesteten Modelle von der Qualität (Out-of-the-Box mal die eine besser, mal die andere) als auch Ausstattung auf ähnlichem Niveau liegen, war der Hauptentscheidungsgrund nun der Preis, die LG ist aktuell einfach deutlich günstiger zu bekommen. Zudem läuft die App runder, die Cam ist etwas kleiner und bringt direkt eine Hülle aus Hartkunststoff mit, in der fast das ganze Gerät beim Transport verschwindet und diese bei Benutzung als Griff Verwendung findet.

Nun habe ich also eine "Klick-und-fertig"-Lösung für meine zukünftigen Vollpanorama-Aufnahmen gefunden, von denen es dann in Zukunft, besonders auf Reisen, wohl auch noch deutlich mehr geben wird.

Ich freue mich schon auf viele Vollspährenaufnahmen!

Keine Kommentare:

Kommentar posten