Freitag, 5. April 2019

Sankt Petersburg - 08/2018

Da unser Städtetrip nach Sankt Petersburg keine eigene große Vorgeschichten hat (weil ja zusammen mit Moskau, von wo wir gerade kamen - Reisebericht hier), geht es hier auch gleich und direkt los. Einzig das separate Fotoalbum sei hier noch verlinkt:



Freitag, der 17.08.

Seit 13:30 Uhr saßen wir im Schnellzug aus Moskau und ziemlich pünktlich gegen 17:30 Uhr kamen wir in Sankt Petersburg am Moskauer Bahnhof an. Die Fahrt war sehr entspannend, ich musste meinen kaputten Fuß nicht belasten, man hat recht viel Platz an seinem Sitz und WLAN gab es auch an Bord. Nach dem Aussteigen und dem Weg aus dem Bahnhof heraus ging es für uns direkt zur nächsten Station der Metro.
Für uns war das die Station Majakowskaja, die an der Linie 3 liegt. Als erstes kauften wir uns wieder eine Wochenkarte für das ganze Streckennetz (kostete umgerechnet knapp 10€), so dass wir uns ab jetzt sofort direkt "frei" bewegen können. Wie uns schon aus Moskau bekannt, ging nun auch zunächst wieder tief in die Erde. Auch diese Metrostationen sollten im Kriegsfalle als Schutzbunker dienen. Direkt fiel uns auf, dass hier alles etwas "ruhiger" zugeht. Also im direkten Vergleich zur Moskauer Metro, nicht allgemein betrachtet. Sankt Petersburg selber hat mit seinen über 5,3 Mio Bewohnern mehr Einwohner als Berlin und München zusammen und auch die Metro wird täglich von über 2 Mio Fahrgästen genutzt. Aber im Vergleich zu Moskau ist das nur rund ein Viertel und das merkt man sofort.
Wir mussten nur eine Station bis nach Gostiny Dwor fahren, somit waren wir schnell angekommen. Unser Hotel hier in der Stadt lag an einer kleinen Nebenstraße zum Prachtboulevard Newski-Prospekt, an dem wir wieder an die Oberfläche kamen. Direkt wurden wir von Prachtbauten empfangen, soweit man in jede Richtung blicken konnte! Natürlich hatten wir einen Ausgang genommen, der am falschen Ende der Station lag, so mussten wir noch etwas um das große namensgebende Einkaufszentrum für die Metrostation laufen.
Auf einmal stoppte Genia auf dem Fußweg an einem Schaufenster und war ganz aus dem Häuschen. Direkt hier wurde Kleidung aus ihrer Firma angeboten und dazu noch Stücke, die sie selbst gemacht hatte. Was man so alles im Urlaub entdeckt!


Direkt um die Ecke war dann unsere kleine Nebenstraße mit unserem Quartier Mini-Mani. Eine Stahltür brachte uns ins Treppenhaus und im 1. OG waren wir angekommen. An der Rezeption (ein Schreibtisch in der großen Hostelküche) war die Dame (wie in Moskau auch) schon etwas erleichtert, wenn jemand russisch spricht.

Wir checkten also ein, bekamen die Schlüssel fürs Zimmer und Transponder für Haus- und Etagentür. Unser Zimmer befand sich auf der anderen Seite des Treppenhauses.
Schon in Moskau war unser Zimmer als sehr kompakt zu bezeichnen, aber das hier war noch eine weitere Steigerung! Ein Mini-Flur führte rechts ins Bad und geradeaus in den Schlafraum. Diese hatte wohl etwa 6m², wovon knapp 4m² vom großen bett eingenommen wurde. Platz für einen Schrank gab es entsprechend nicht, nur zwei schmale Regale fanden an der einen freien Wand Platz. Dieses Zimmer musste wohl um das Bett herum gebaut worden sein. Im ersten Augenblick wussten wir nicht einmal, wo wir unsere Koffer lassen sollten, zum Glück war die Fensterbank sehr tief, so dass Genias (größerer) Koffer darauf einen Platz fand. Meinen stellte ich (geschlossen) in eine Ecke des Mini-Flures ab. Nach einer kleinen Entspannungspause machten wir uns dann direkt wieder auf den Weg, um etwas die nähere Umgebung zu erkunden und etwas Essen wollten wir ja auch noch. Kaum 50m vom Hostel entfernt kamen wir zum Ostrowski-Platz mit dem Alexandrinski-Theater. Direkt gegenüber ging es in den Katharinengarten mit großer Statue der berühmten Namensgeberin.


Auf der gegenüberliegenden Seite der kleinen Parkanlage gingen wir dann über den Newski-Prospekt und nur eine Nebenstraße weiter hatten wir unser Essensziel für heute erreicht. Eine Filiale der Restaurantkette Mama Roma. Mit Glück bekamen wir noch einen kleinen, freien Tisch.
Getränke und Essen waren sehr lecker und so konnten wir schließlich gestärkt noch eine kleine Runde drehen, um dann zurück zum Hotel zu gehen.


Schon auf diesem kleinen Spaziergang konnten wir an fast jeder Ecke feststellen, dass man hier von Prunk erschlagen wird. Unglaublich, wie viele toll restaurierte Prachthäuser und Schlossanlagen sich hier so tummeln.
Um das begreifbar zu machen, hier ein kleines Zitat aus Wikipedia:
Die historische Innenstadt mit 2.300 Palästen, Prunkbauten und Schlössern ist seit 1991 als Weltkulturerbe der UNESCO unter dem Sammelbegriff Historic Centre of Saint Petersburg and Related Groups of Monuments eingetragen.
Vergleichbar ist so eine Ansammlung von Sehenswürdigkeiten weltweit nur noch mit Venedig, wobei Sankt Petersburg aber ganz andere Ausmaße hat. Einfach irre!
Auf dem Rückweg gingen wir noch flott in einem 24h-Supermarkt ein paar Sachen einkaufen und dann zum Hostel. Dort noch schnell unter die Dusche und ab ins Bett. Genia telefonierte noch mit ihrer alten Schulfreundin Alia, die in Almaty/Kasachstan lebt. Die beiden hatten sich schon von längerer Zeit hier in der Stadt verabredet und hatten viel zu bereden.


Samstag, der 18.08.

Nach dem Ausschlafen im sehr bequemen Bett und der Morgentoilette gingen wir rüber in die Küche und frühstückten erst einmal ausgiebig. Heute stand unser erster richtiger Besichtigungstag der Stadt auf dem Programm. Das erste Ziel sollte die Peter-und-Paul-Festung auf der Haseninsel in der Newa sein, der Ursprung und historischen Zentrum der Stadt.
Mit der Metrolinie 2 ging es direkt bis zur Station Gorkowskaja, von dort war es nur noch ein kurzer Fußweg durch einen kleinen Park bis zum Eingangsportal der Insel. Alles überragendes Zentrum der Festung ist die gleichnamige Kathedrale mit ihrer geradezu bizarr hohen Turmspitze, die über 122m in den Himmel ragt.


Durch ein geöffnetes Fenster gelang auch ein kurzer Blick ins Innere, daraufhin verzichteten wir dann den Eintritt zu bezahlen. Stattdessen machten wir eine kleine Sitzpause und gönnten uns ein Eis. Meinem Fuß ging es zwar so langsam wieder etwas besser, trotzdem wollte ich ihn möglichst schonen.


Nach dem Päuschen gingen wir dann auf die Festungsmauer, auf dieser kann man einen Großteil der Anlage umrunden und hat zudem einen tollen Blick über die Newa zur (heutigen) Innenstadt. Die paar Rubel Eintritt lohnen sich!


Natürlich durfte hier ein Panoramabild nicht fehlen.


Danach verließen wir die Festung wieder und bewunderten die zahlreichen Sonnenbadende auf den Wiesen der Haseninsel außerhalb der hohen Mauer.
Unser nächstes Ziel sollte die Aurora sein, ein Panzerkreuzer, der am Abend des 25. Oktobers 1917 mit einem Schuss aus der Bugkanone das Signal zur Stürmung des Winterpalastes gab, dem Beginn der Oktoberrevolution.
Auf dem Weg dorthin gingen wir am Newa-Ufer entlang und machten an Fregatte Blagodat einen weiteren Stopp. Dieses Schiff liegt hier fest vertäut und dient als Restaurant und Feierlokalität.
Während wir auf einer Bank saßen, wurden wir (bzw. Genia) auf russisch gefragt, ob dieses Schiff die Aurora wäre. Da war aber jemand geschichtlich nicht wirklich wetterfest unterwegs, wenn man so ein Deko-Segelschiff für ein Panzerschiff hält. Ich musste ja schon etwas lachen.


Schließlich gingen wir auch weiter, nach etwa 300m kam links um die Ecke in kleiner Seitenarm der Newa und dort liegt das "richtige" Schiff an festem Platz (seit 1948) und dient seit 1956 als Museum und Denkmal, ist es doch sowas wie ein sowjetisches Heiligtum.


Auch hier verzichteten wir auf eine Besichtigung, der Blick von außen sollte uns reichen. Weiter ging es dann mit einer alten Tram bis zur Station Ploschtschad Lenina an der Metrolinie 1. An der Station Ploschtschad Wosstanija stiegen wir dann um in die Linie 3 um, bzw. wechselten wir die Station. Weil hier hat jede Linie ihre eigenen Stationen, man wechselt also von der einen Station zur anderen (alles unter der Erde), hier also zur Station Majakowskaja der Linie 3.
Wieder eine Station weiter waren wir wieder in Hotelnähe und dieses Mal fanden wir auch einen etwas näheren Ausgang. Das sollten wir allerdings bald noch weiter optimieren.

Im Zimmer machten wir dann erst einmal etwas Pause und gingen dann später noch einmal los, um Alia und ihre Mutter zu treffen, mit der sie hier in der Stadt war. Das war ein großes Hallo! Genia und Alia hatten sich ja nun rund 28 Jahre nicht mehr gesehen. Sprachenbedingt war ich etwas außen vor, es wurde aber so gut es ging und nötig war für mich übersetzt. Englisch war auch nur sehr rudimentär möglich, war aber nicht schlimm. Die beiden hatten erst noch etwas vor, aber später wollten wir uns zum Abendessen wieder treffen. Wir machten uns also im Hotel wieder etwas frisch und zogen dann später erneut los. Treffpunkt sollte das kaukasische Restaurant Tarkhun sein, wieder nicht weit von unserem Quartier.


Kurz vor dem Restaurant trafen wir uns dann eher zufällig und gingen die letzten Meter dann gemeinsam. Weil das Wetter noch schön war setzten wir uns draußen hin.

Zunächst gab es erst einmal ein schönes Bierchen! Die (russische) Marke habe ich mir nicht gemerkt, aber es war ganz lecker. Also auch hier in den Restaurants brauchte ich mir keine Sorgen machen, dass ich verdurste. Im Übrigen gibt es meist auch die bekannten europäischen Biere wie z.B. Heineken, in der Regel versuche ich aber dann doch eher lokale Getränke zu nehmen. Genia und ich aßen beide eine georgische Spezialität, Chinkali. Das sind gefüllte Teigtaschen, die stilvoll zusammengeknetet werden, so dass die einzelnen Taschen dann etwas wie Blumekohlröschen aussehen. Man kann sie dann am "Stiel" anfassen oder aber (wie wir) normal mit Besteck zu sich nehmen. Unsere beiden Variationen war sehr lecker!


Nach dem Essen wollte Alias Mutter zurück ins Hotel und wir verbliebenen 3 überlegten, eine abendlich Bootstour durch die zahlreichen Kanäle der Stadt und der Newa zu machen. Leider kamen wir etwa 15min zu spät, ein Boot hatte gerade abgelegt und das nächste sollte erst in gut 1,5h fahren, dann stand die Nachttour mit den geöffneten Brücken an. Die Wartezeit wollten wir dann in einem Pub überbrücken. Jetzt im Dunklen wirkten die ganzen Prachtbauten durch die stimmungsvolle Beleuchtung wieder ganz anders. Generell war ordentlich was los auf den Straßen.


Am Nevsky Prospekt gingen wir dann in die Brasserie Kriek und fanden direkt am Fenster einen schönen Platz. Es gab dort eine prima Bierauswahl und so probierten wir uns ein wenig durch, selbst für Genia gab es belgische Biere (mit Aroma) im Angebot, so dass wir alle gut versorgt waren. Mit den Kellnern konnte man sich übrigens auch problemlos auf englisch verständigen. Zudem wurden leckere Snacks gereicht, so kleine dünne "Teigmuscheln" mit würziger Hackfleischfüllung.


In gemütlicher Runde vergaßen wir natürlich etwas die zeit und irgendwann stellten wir fest, das wir die letzte Bootstour dann auch verpasst hatten. So ließen wir den Abend hier ausklingen und gingen schließlich langsam zurück.
Genia wollte Alia noch etwas weiter zu ihrem Hotel begleiten, ich bog dann früher Richtung unseres Quartiers ab, mein Fuß war ja noch immer im Schongang. Ich machte mich dann nach dem Duschen bettfertig und Genia kam dann auch schon bald zurück. Ein schöner Tag, die Stadt scheint wirklich sehr viel zu bieten und unser Quartier könnte zentraler kaum sein. Wir hatten schon richtig Bock auf die nächsten Tage...


Sonntag, der 19.08.

An diesem Tag stand ein Besuch des Katharinenparks samt des darin befindlichen Palastes und der großen Gartenanlage auf dem Plan. Die ganze Anlage befindet sich in Puschkin, etwa 25km südlich des Stadtzentrums. Es gibt zwar fertige Touren inkl. Busfahrt und Eintritt direkt vom Newski Prospekt, aber zum einen kosten diese All-in-Sorglospakete ganz ordentlich und zum anderen wollten wir ja gar nicht Teil einer solchen Reisegruppe werden. Also wollten wir mit öffentlichen Verkehrsmittel anreisen, der Hauptteil davon mit einem Nahverkehrszug. Diese fahren vom Bahnhof Vitebsky ab, zu dem wir wiederum mit der Metro kommen.
In Puschkin angekommen stand das letzte Stück der Fahrt mit einem Bus an, klappte alles recht flott und problemlos. Am Katharinenpark angekommen begann wieder das schon aus Moskau bekannte Durcheinander bzw. die fehlenden Hinweise für Besucher. Es gibt so diverse Kassen mit verschiedenen Gruppen von Menschen, die irgendwo anstehen. Doch manche Kasse sind nur für Teile des Parks oder aber nur für russische Staatsbürger oder wer weiß was. Man steht pauschal falsch und ohne ständiges Fragen findet man auch "seine" Schlange nicht. Im Endeffekt war wieder eine Gruppe Automaten für uns die richtigen.


Dann endlich waren wir in den Park und kamen sogleich seitlich an der großen Front des Palastes vorbei. Wow, was ein Anblick! Der Palast war einer der Zarenresidenzen und wurde im zweiten Weltkrieg nahezu vollständig zerstört und ausgeplündert. Über viele Jahre dauerte danach der originalgetreue Wiederaufbau der ganze Anlage. Direkt vor dem Palast stand eine sehr lange Schlange für den Zutritt des Hauptgebäudes. Wir wollten uns aber erst einmal den großen Park mit seinen zahlreichen Nebengebäuden ansehen.


Es gibt zahlreiche unterteilte Bereiche, dazu diverse kleine Wasserläufe und einen ziemlich großen See in diesem weitläufigem Gelände. Die meisten Wege im Park laufen auf ein kleines "Nebenschloss" hin, der Eremitage.


Natürlich durften auch Panoramaaufnahmen nicht fehlen.



Nach einer Pause auf einer der zahlreichen Bänke etwas abseits des Trubels gingen wir dann  am See vorbei langsam wieder Richtung Hauptpalast bzw. eines der direkten Nebengebäude, dabei kamen wir auch an einem weiteren Pavillon vorbei. Wir steuerten direkt auf eine breite, auslandende Treppe zu, die anscheinend sehr gerne von Brautpaaren als Fotomotiv genommen wird. Generell waren hier so einige Hochzeitspaare in feiner Kleidung samt Fotografen unterwegs und besuchten ein schönes Motiv nach dem anderen.


Oben befindet sich ein zweiseitiger Säulengang mit allerlei Büsten von geschichtlichen Personen aus diversen Epochen. Von griechischen Gelehrten über römische Kaiser bis zu Zeitgenossen der Zarenzeit war alles vorhanden. Ein Panoramabild soll dazu nicht fehlen.


Wir schlenderten diese ganze Galerie ab und suchten einen Weg zum Hauptpalast, er war aber wohl nur im inneren des Gebäudes vorhanden. So mussten wir wieder außen herum gehen.


So langsam war es Zeit, den Hauptpalast zu besichtigen. Die Schlange war indes nicht wirklich viel kürzer geworden. Aber nutzt ja nun nichts, gut 1,5h sollten wir hier noch warten müssen, teilweise im Regen. Zum Glück hatten wir einen Schirm dabei. Neben einigen "westlichen" Touristen und Besuchern aus den ehemaligen Sowjetstaaten waren es vor allem Chinesen in ganzen Gruppen.


Alle 15 Minuten wurde ein Trupp rein gelassen, nach einigen dieser Abläufe konnte man langsam grob abschätzen, wann man selber zu den Glücklichen gehören sollte. Und dann schließlich war es endlich soweit. Innen ein unglaubliches Gedränge in allen Bereichen, zunächst konnte man seine Jacken abgeben, dann gab es Überzieher für die Schuhe und dann ging es in die erste Etage. Protz und Prunk sprangen einen in jeder Ecke an.


Als erstes ging es, nach ein weiteren kurzen Wartezeit, in den großen Ballsaal. Während unsere Truppe rein ging, stand schon eine andere Gruppe bereit, um den Saal wieder zu verlassen. Trotz des Trubels sollte eine Panoramaaufnahme sein.


Wir schauten uns ausgiebig um, obwohl die Augen mit all dem Geblitze und Gestrahle ziemlich überfordert es. Dann stellten wir uns wartend in den Ausgangsbereich um weiter durch das Schloss zu gehen.


Wir folgten einem endlos langen Gang von einem Zimmer ins nächste, alles war mit Menschen voll und vor besonderen Gegenständen/bereichen hingen immer alarmgesicherte Kordeln, die auch regelmäßig auslösten. In allen Räumen war Personal anwesend, die zu forsche Besucher etwas zurück hielten. Die Räume hatten meist ähnliche Stilelemente: Weiße Wände mit goldenen Verzierungen, üppigen Gemälden, bemalte Decken und Ofen mit bläulichen Delfter Kacheln.


Schließlich kamen wir zum sagenumwobenen (rekonstruierten) Bernsteinzimmer. Hier war das Gedränge noch größer, es gab zwei Aufpasser und strenges Fotografierverbot. Der Raum war etwas kleiner als viele der anderen und die Wände waren komplett mit gelblich-orangen Bernsteinelementen verkleidet. Wegen der "Aufpasser" konnte ich nur kurz schräg "aus der Hüfte" ein Bild machen. Damit war wohl der Höhepunkt der Besichtigung erreicht. Naja, mein Geschmack war das Bernsteinzimmer nun nicht, da fand ich viele andere Räume schöner. Die hier abgebildeten Fotos sind nur ein Teil aller Aufnahmen des Katharinenparks, alle Bilder gibt es hier im Album zu sehen.


Danach machten wir uns wieder auf den Weg zurück, also per Bus zum Bahnhof, dann mit dem Zug (dank Feierabendverkehr ziemlich voll) zurück in die Stadt und schließlich per Metro zurück zum Hotel. Dort entspannten wir etwas und duschten uns, bis wir später wieder loszogen um mit Alia zu Essen. Die Mädels hatten sich Jamie's Italien ausgesucht. Ein italienisches Restaurant eines englischen Fernsehkochs in Russland. Nun denn...


Alia verspätete sich und kam dann auch alleine ohne ihre Mutter. Während die beiden weiter Erinnerungen und Informationen austauschten hatte ich zumindest gutes WLAN, so musste Genia nicht ständig für mich meist eh uninteressante Sachen übersetzen.
Ach ja, das Essen war auch gut. Nach 23 Uhr verließen wir schließlich das Restaurant und machten uns auf den Weg zurück. Der abendliche Fußweg bot sich noch einmal hervorragend an, um einige der schönen beleuchteten Gebäude aufzunehmen.


An der Auferstehungskirche (auch Blutskirche genannt) vorbei gingen wir zum Newski Prospekt, wo trotz der späten Stunde immer nach zahlreiche Straßenmusiker für Stimmung sorgten. Die gibt es hier an allen möglichen kleinen Plätzen und sind nicht so, wie wir sie von daheim in größeren Städten kennen. Hier spielen meist komplette Bands in voller Ausrüstung, inkl. Stromaggregat um die Ecke und komplett aufgebauter PA. Übrigens in einer Lautstärke, dass der Verkehr der 4-6-spurigen Straße direkt neben der improvisierten Bühne nicht "stört".


Wir verabschiedeten uns von Alia (ihr Hotel lag in der anderen Richtung) und gingen zurück zu unserem Quartier, machten aber noch einen kleinen Schlenker um noch ein paar Gebäude anzusehen.


Im dunklen sind viele der Prachtbauten noch schöner als bei Tageslicht! Was für eine großartige Kulisse hier. Erschöpft vom Tage fielen wir ins Bett. Immerhin schien mein aus Moskau mitgebrachtes Fußproblem inzwischen wirklich überstanden!


Montag, der 20.08.

An diesem Tag war erst einmal Ausschlafen angesagt, was wir auch ausgiebig taten. Der erste Tagesprogrammpunkt war heute gemeinsames Mittagessen mit Victoria, einer weiteren alten Schulfreundin von Genia und Alia aus Kasachstan, die schon lange in Sankt Petersburg lebt.
Somit sparten wir uns vorher das Frühstück und gingen um 12 Uhr dann direkt zum chinesischen Restaurant, in dem wir verabredet waren.
Nachdem alle angekommen waren gab es natürlich erst mal ein riesiges Hallo. Alle drei ehemaligen Schulkolleginnen hatten natürlich viel zu besprechen! Victoria hatte hatte ihre Tochter mitgebracht, die in der Schule englisch lernt. So hatte ich zumindest jemanden für etwas Smalltalk zwischendurch, ansonsten übersetzte Genia immer alles Relevante für mich. Wir bestellten alle aus der großen Auswahl und hatten schließlich den ganzen Tisch voll Leckereien, bei denen sich alle kreuz und quer bedienten.


Nachdem es am frühen Nachmittag etwas ruhiger im Restaurant geworden war, wurde dann groß umgebaut um diverse Tischgruppen zu bilden. Dann dauerte es nicht lange, bis ein Reisebus mit einer chinesischen Touristentruppe vor dem Gebäude anhielt und im Restaurant einfiel.

Meine Güte, was für ein Trubel um uns herum! Chinesen scheinen wohl grundsätzlich in Gruppen zu reisen, mehrere davon hatten wir auch schon am Vortag am Katharinenpalast gesehen. Irgendwann verschwanden die aber auch wieder und schließlich war es für uns ebenfalls an der Zeit zu gehen. Alia und ihre Mutter hatten ihren letzten Tag in der Stadt und wollte vom Restaurant direkt zum Flughafen. Als langsam Aufbruchstimmung aufkam, rief Alia einen Wagen von Uber und wir alle gingen nach draußen, um uns zu verabschieden. Nachdem die beiden mit dem Wagen davon fuhren, gingen wir verbliebene noch zusammen zur nächsten Metro-Station und dort trennten sich dann auch unsere Wege.
Da wir nun schon späteren Nachmittag hatten und das Wetter zudem recht kühl und sehr wechselhaft war, wollten wir den Rest des Tages mit Metrostationen-Besichtigungen verbringen. Das hatte ich in Moskau ja leider fußbedingt etwas verpasst. Aber auch in Sankt Petersburg gibt es zahlreiche sehr schöne und aufwendig dekorierte Stationen, besonders an der Linie 1. Allerdings waren wir zunächst in der Linie 5 unterwegs, unsere ersten Stationen waren Admiralteyskaya, gefolgt von Sportivnaya und Obvodny Kanal.


Wie in Moskau auch haben die verschiedenen Stationen oft eigene Themen, um die sich die Gestaltung dreht. Als letzte Station der Linie 5 folgte noch Zvenigorodskaya, hier konnten wir zur Linie 1 und der Station Pushkinskaya wechseln.


Hier ist der Name natürlich Programm, dreht sich in dieser Station alles um Alexander Sergejewitsch Puschkin, dem russischen Nationaldichter. Puschkin ist in seiner Bedeutung für Russland das, was Goethe für Deutschland ist. Entsprechend wird er verehrt.


Weiter ging die unterirdische Fahrt zur Station Baltiyskaya, gefolgt von Narvskaya. Hier werden die vielen Berufsstände mit tollen Arbeiten an jeder der zahlreichen Säulen gewürdigt. Auf der Linie 1 versammeln sich übrigens die meisten der prunkvollen Stationen der Stadt.


Es folgten noch Kirovskiy zavod und schließlich Avtovo, bei letzterer gab es als Highlight diverse mit kunstvollem Glas überzogene Säulen. Irre, wie aufwendig hier so manches gestaltet wurde.


Damit hatten wir für diesen Tag genug gesehen, wir fuhren zurück Richtung Hotel. Bevor es aufs Zimmer ging machten wir noch einen kleinen Abstecher zum Supermarkt um die Ecke, um etwas zu Trinken, Frühstück für die nächsten Tage und Knabberkram zu besorgen.
Dann ging es unter die Dusche und bald ins kuschelige Bett.


Dienstag, der 21.08.

An diesem Tag stand ein weiteres Highlight des Stadtbesuchs auf dem Programm, ein Besuch der berühmten Eremitage. Passte von der Wahl des Tages ganz zum Wetter, das war nämlich ähnlich wie am Vortag: Eher kühl und wechselhaft.

Die nicht allzu lange Fahrt zu diesem riesigen Museum machten wir zur Abwechslung mal mit einem elektrischem Trollibus. Während der Fahrt gab es dann bei langsamer Fahrt plötzlich einen kurzen Knall und nichts ging mehr. Offensichtlich war der Stromabnehmer von der Leitung gesprungen. Das scheint aber wohl nicht so selten zu passieren, der Fahrer ging zum hinteren Ende, nahm das am Stromabnehmer befestigte Seil und fädelte innerhalb kurzer Zeit den Greifer wieder an der Leitung ein. Kaum eine Minute später fuhren wir weiter.
Diese kleine Pannen lag aber wohl eher an der Leitungs-Infrastruktur und weniger an dem ziemlich neuen Bus, in dem es sogar an vielen Plätzen USB-Anschlüsse zum Laden der Mobilgeräte gab. Dann kamen wir auch schon am großen Palastplatz am Winterpalastes an, dem größten Gebäude der Eremitage.


Bei schönem, sonnigen Wetter hätte das ganze Gebäude-Ensemble sicherlich noch deutlich toller gewirkt, aber nun ja, was soll man machen. Ein Panoramafoto musste trotzdem sein.


Auf der abgewandten Seite, hinter der Alexandersäule, entdeckten wir eine längere Warteschlange, das ging es wohl zum Eingang. Wir stellten uns also in die Schlange und warteten. Während wir dort standen kamen immer wieder ganze Gruppen an, stellten sich dazu, andere gingen wieder weg. Jedenfalls fragten wir uns, ob wir hier überhaupt richtig waren.
Genia fragte einen Schirmverkäufer (die tauchen ja immer aus dem Nichts auf, wenn irgendwo viele Menschen stehen und es anfängt zu regnen), ob dies die richtige Schlange wäre. Der Type meinte nur kurz, er wüsste die Antwort und für ein paar Rubel würde er ihr die auch sagen. Na herzlichen Dank. Also wartete ich und Genia ging erst einmal los zum Anfang der Schlange, um sich dort schlau zu machen.
Es war nicht die richtige Schlange, hier wäre nur für Gruppen, die aber schon Tickets hätten. Die uns schon bekannte "gute" Organisation ging also weiter. Überall suchende Menschen, nirgends ein Schild, Hinweis oder Einweiser. Wir gingen durch ein Tor in einen Innenhof, ab hier war alles voller Menschen, die anscheinend in diversen Schlangen irgendwo anstanden. Mittendrin gab es immer mal wieder irgendwelche Kassenhäuschen ohne weitere Infos. Ein einziges Chaos.
Genia zog also wieder los, um irgendwo Infos zu bekommen. Das Ergebnis: Wieder gibt es verschiedenen Preise für Russen und für "externe" Touristen, natürlich an jeweils verschiedenen Kassenhäuschen und für zahlungswillige Touristen gibt es Automaten für Eintrittskarten mit Vorzugsbehandlung. Während wir in dieser Schlange warteten, kam eine Durchsage, das der Zugang aktuell wegen Überfüllung geschlossen wäre. Einlass gibt es immer Schrittweise, wenn Menschen das Museum verlassen. Als wir schließlich unsere Eintrittskarten gekauft hatten, konnten wir dann mit unseren Vorzugstickets an einer anderen sehr langen Warteschlange vorbei bis in den Eingangsbereich gehen. Immerhin schon mal im Trockenen. Aber auch hier war alles hoffnungslos überfüllt und es herrschte weiter ein ziemliches Durcheinander.
Wo geht es nun weiter, wo sind Garderoben oder Toiletten? Man muss es wohl selber heraus finden. Schließlich waren wir bei einem Schub Menschen dabei, der in die heiligen Hallen gelassen wurde.
Anmerkung: Sämtliche Fotos aus der Eremitage habe ich hier in einem Album abgelegt.


Direkt erschlägt einen der Prunk und Protz wieder einmal. Über die Jordantreppe gelangt man in die obere Etage und landet dort direkt im beeindruckenden Wappensaal. Weiß und sehr viel Gold bestimmt das Bild, dazu filigran bearbeitete Säulen, unzählige Statuen und viel Glas bestimmen das Bild. Dazu natürlich ein Panoramabild.


Von hier an geht es dann weiter durch die zahlreichen Räume, im Obergeschoss geht es in weiten teilen um Malerei. Die Gebäudeteile und Bereiche sind hier nach den Nationalitäten gegliedert, von allen relevanten Ländern sind bedeutenden Gemälde vorhanden (hier eine Zusammenfassung).


Natürlich gab es nicht nur Gemälde zu sehen, auch Münzen und viel Porzellan. Zudem dürften natürlich auch Skulpturen und Statuen nicht fehlen. An dieser Stelle muss ich aber mal anmerken, dass wir bei solchen Dingen ja ziemliche Kunstbanausen sind. Somit haben wir in erster Linie grandiosen Ausstellungsräume bewundert und nur hin und wieder einen Blick auf die ausgestellte Kunst geworfen haben.


Etwas anders war es dann in den aräologischen Ausstellungen, da schauten wir dann doch wieder etwas mehr auf die Exponate. Besonders u.a. auf Steintafeln mit Bildnissen und Schriften aus dem antiken Palmyra im heutigen Syrien. Die Stadt, seit 1980 UNSECO-Weltkurlturerbe, wurde ja im Krieg durch Milizen des IS in weiten Teilen zerstört.


Nachdem wir uns zwischen all den Menschen hier im Museum die Füße platt gelaufen hatten und mächtig beeindruckt waren, wollten wir nun wieder raus an die frische Luft.
Wir gingen nun rüber zum alten Winterpalast von Peter I., der in Teilen erhalten ist. Das war der erste Niederlassung im neu entstandenen Sankt Petersburg, die im Anschluss immer wieder teilweise eingerissen und erweitert wurde. Der Anfang war eher ein Herrschaftshaus als ein wirklicher Palast, eben deshalb die stetigen Erweiterungen und Anbauten bis zur heutigen Pracht.


Das waren im Vergleich schon bescheidene Anfänge! Von hier gingen wir dann am Newa-Ufer entlang noch einmal an der ganzen Eremitage vorbei. Auch auf dieser Seite gab es Warteschlagen!


Unser letztes Tagesziel sollte schließlich noch die Isaakskathedrale sein. Diese ist die größte Kirche in der Stadt und gehört zudem zu den größten sakralen Kuppelbauten überhaupt.
Auf dem Weg dorthin kamen wir noch am Ehernen Reiter vorbei, eine weitere Statue von Peter dem Großen.


Dann ging es zur Kathedrale. Direkt die Stufen Richtung (offensichtlichen) Eingang hoch und dann das inzwischen schon gewohnte Durcheinander. Natürlich braucht man Tickets, die es hier aber offensichtlich nicht gibt sondern irgendwo woanders. Wo, steht hier natürlich nicht.
Also gehen wir mal um den Bau herum und kommen so auch an den kleinen Verkaufshütten vorbei. Mit den beiden Eintrittskarten (Innenraum und Aussichtsplattform oben an der Kuppel) ging es wieder zurück und rein in die gute Stube. Schon mächtig beeindruckend von innen, zwar auch sehr bunt, aber nicht so düster wie die anderen bisher besuchten Kirchen.


Schön war auch, dass direkt unter der zentralen Kuppel auf dem Boden auch ein großes, rundes Ornament war, welches exakt den Mittelpunkt unter ebne jener Kuppel markierte. Genau da stand so eine Tante und quatschte mit jemanden, ziemlich unbeeindruckt von den wartenden Leuten mit Kamera in der Hand, um genau mittig unter der Kuppel ein Foto zu machen. Beeindruckende Dickfälligkeit, aber irgendwann kam ich doch zu meinem Foto. Ein Panoramabild war auch noch fällig.


Dann gingen wir raus und wollten hoch zur Kuppel. Der Aufstieg, den offensichtlich fast alle Gäste auch machen wollten, war aber nicht am Ausgang, sondern nun mussten wir die ganze Kathedrale erneut halb umkreisen, weil der Aufstieg neben dem anderen Eingang lag.


Kaum waren wir vom Ausgang über die Gangway zum Kuppelrundgang gegangen, brach ein derbes Unwetter los. Es schüttete wie aus Kübeln und der Wind peitschte um die Kuppel herum. Alle warteten erst einmal auf der Windschattenseite, ein paar Meter weiter stand man quasi unter der Dusche.


Irgendwann war dann aber doch der Zeitpunkt gekommen, die Runde hier oben zu vollenden. Ich natürlich nur im T-Shirt und ja, es war derbe kalt. Der Weg zurück über diese Brücke zum Abstieg war bei dem Sturm auch nicht ganz ohne. Ohne geschlossenes Geländer wäre wohl niemand hier lang gegangen. Wieder unten angekommen hatte der Regen zumindest wieder aufgehört, trotzdem hatten wir inzwischen ziemlichen Hunger und etwas Aufwärmen wäre zudem auch ganz nett, so kehrten wir bei ToNYc ein.


Wir aßen gut und das Bier war lecker, aufgewärmt waren wir auch wieder und die Füße hatten ebenfalls ihre Pause bekommen. Nun konnten wir dann langsam Richtung Hotel.

Auf dem Weg fuhren wir von der Metrostation Admiralteyskaya, nun wurde es für mich auch mal langsam Zeit um die mit jeweils 137m die längsten durchgehenden Rolltreppen der Welt fotografisch festzuhalten.
Obwohl die Rolltreppen hier ein ganz anderes Tempo als unsere heimischen an den Tage legen (geschätzt min. doppelt so schnell), braucht man fast 3min, um von dieser tiefsten Station (102m unter der Erde!) des hiesigen Netzes an die Oberfläche zu kommen.
Ganz generell gilt das Sankt Petersburger Metronetz als das tiefste der Welt, im Schnitt liegen die Stationen zwischen 50 und 75 tief in der Erde. Der Grund ist die Instabilität der sumpfige Landschaft, auf die die Stadt errichtet wurde, das Newa-Delte ist sehr tief vermoort.
Wieder am Hotel angekommen stand entspannen an und eine ausgiebige Dusche. Danach kuschelten wir uns ins Bett.


Mittwoch, der 22.08.

An diesem Tag stand für uns ein weiterer Ausflug an, es sollte nach Peterhof gehen, speziell natürlich in die gleichnamige Palastanlage. Von Peter dem Großen als Sommerresidenz angelegt wurde die Anlage immer weiter ausgebaut und gilt als "russisches Versailles". Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage zunächst schwer beschädigt und geplündert, anschließend im Zuge der Leningrader Blockade von der Wehrmacht als Stützpunkt genutzt. Direkt nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, der aber bis heute nicht abgeschlossen ist. Seit 1990 ist der Palast und seine riesigen Gärten UNSECO-Weltkulturerbe.
Nach dem Frühstück fuhren wir zunächst mit der Metro bis zur Station Avtovo (Linie 1), von dort ging es dann mit einem kleinen Bus für schmales Geld weiter. In Peterhof angekommen war die Haltestelle fast direkt vor den Eingangstoren des öffentlichen Parks.
Alle Fotos vom Peterhof habe ich übrigens hier in einem separaten Album abgelegt.


Am Palastportal ist dann der Eintritt zur Gartenanlage und dem Schloss selber. Wie wir inzwischen ja schon zur Genüge wussten, muss man sich erst einmal orientieren, welche Art von Ticket es so gibt und wo man dieses bekommt. Hier war das deutlich einfacher als bei den anderen Palästen, vielleicht hat man inzwischen eine gewisse Übung. Jedenfalls fanden wir uns schnell an einer Automatengruppe für Touristentickets wieder.


Im Gegensatz zum Katharinenpalast wollten wir hier aber zuerst in das Schloss und uns erst später die riesigen Gartenanlage ansehen. Wie üblich gab es diverse Eingangsbereiche und erst wiederholten Nachfragen von Genia führte uns zum "richtigen" Eingang (Touristenticket mit Priority Line würde ich es mal nennen). Hier in der (überschaubaren) Warteschlange trafen wir dann auf eine "Einweiserin" vom alten sowjetischen Schlage, wie ich es nannte. Sie passte genau in meine Vorstellung der Staatsbeamtin. Frisur passte auch noch in die Zeit, dazu ein unfreundlicher, herrischer Ton und natürlich nur in Russisch. In einem Touristen-Wartebereich, wohlgemerkt. Nun ja, wir fanden es eher lustig, zudem verstand Genia ihr unzufriedenes Gezeter ja auch noch, im Gegensatz zu den meisten Angesprochenen.


Dann ging es auch schon rein und direkt hoch in die erste Etage. Wieder erwartete uns Prunk & Protz in allen möglichen Ausführen, allerdings war es nicht ganz so überfüllt wie im Katharinepalast, immerhin. So kann man den großen Ballsaal als einer der ersten, der ihn betritt, auch mal quasi menschenleer fotografieren.


Es folgten diverse auch recht private Räume, dann wieder Tafelsäle oder Räumlichkeiten für Empfänge. Alles natürlich mit allerlei Kunstwerken ausgestattet.


Als Zar lernt mal wohl zu Leben und zu Wohnen. Wieder alles sehr beeindruckend.
Nun ging es für uns aber raus in den riesigen Schlosspark. Im Gegensatz zum Besuch im Katharinenpalast hatten wir zudem bestes Wetter.


Bekannt ist der Schlosspark vor allem für seine zahlreiche Wasserspiele, inkl. der Goldenen Kaskade und dem im Anschluss befindlichen langen Kanal bis in die Ostsee. Wir gingen aber zunächst mal rechts entlang (östlich) und kamen an der Schlosskirche vorbei zur Orangerie, wo wir uns erst einmal ein Eis kauften. Bei herausgehen aus dem kleinen Kiosk knickte Genia dann mit einem Knöchel derbe um, im ersten Moment dachte ich wirklich, sie hätte sich die Bänder gerissen oder ähnliches. Nach ein paar Minuten Pause ging es aber zum Glück wieder und wir gingen weiter zur Schachbrett-Kaskade.


Es war mal langsam an der Zeit für eine Panoramaaufnahme!


Nun ging es durch schattige kleine Wälder an der römischen Fontäne und dem Becken mit der Sonnenfontäne vorbei bis zum Badehaus, welches direkt am Meer liegt und heute diverse Gastronomie und Sitzgelegenheiten bietet.


Von hier gingen wir an einer kleinen Bucht entlang zum Ende des langen Kanals von dem Hauptwasserspiel ins Meer, wo sich auch ein kleiner Pier befindet, an dem zahlreiche Boot zurück in die Stadt fahren. Von hier konnte man übrigens quer über den Meeresarm blicken und in 18km Entfernung (per GoogleMaps nachgemessen) das Laktha Center sehen, seit Anfang 2018 mit 462m  das höchste Gebäude Europas. Auch hier macht ich ein Rundumfoto.


Die Idee gefiel uns gut und so beschlossen wir, einfach später mit einem Schiff zurück nach Sankt Petersburg zu fahren.


Aber zunächst wollten wir uns natürlich noch den westlicheren Teil des Gartens ansehen, so ging es zunächst noch etwas an der Ostsee entlang und an der L'vinyy Kaskade vorbei zu einem weiteren großen Becken. Von hier kamen wir an weiteren Fontänen und Kaskaden vorbei, Wasserspiele gibt es hier wirklich an jeder Ecke!


Auch hier war es wieder Zeit für ein Panoramabild.


Schließlich kamen wir wieder zurück zum Schloss und konnten nun noch einen Blick auf die beeindruckende Hauptkaskade von unten werfen. Danach gingen wir den Kanal entlang zurück zum Pier. Wir wollten uns mal nach Bootsverbindungen erkundigen.


Dort angekommen dann die uns schon bekannte Verwirrung. Es standen (elektronisch) noch einige Abfahrzeiten an den Ticketbuden, aber offensichtlich standen viele an, um ihr schon gekauftes Ticket zurück zu geben. Als wir an der Reihe waren bekam Genia die Info, dass man hier nur ein Ticket zurück geben konnte. Also zur anderen Schlange rüber und erneut anstehen. Dort endlich vorne angekommen gab es dann erneut die Aussage, dass nur noch Tickets zurück genommen werden. Durch den recht frischen Wind war das Meer wohl für die kleinen Boote zu unruhig und alle Fahrten bis auf weiteres eingestellt.
Die Info hätten wir natürlich schon gerne am ersten Schalter bekommen, geschweige denn irgendwo die generelle Info, dass kein Boot mehr fährt. So wie viele andere Menschen auch, die ratlos zwischen den Schlangen wechselten und nur hin und wieder jemand sagte, es gäbe wohl keine neuen Tickets mehr. Da war sie wieder, die russische Unorganisiertheit...
Somit gingen wir den ganzen Weg wieder zurück bis zur Bushaltestelle. Als das erste Fahrzeug kam (Bus in normaler Größe) erfuhren wir dann, dass man hier mit den normalen Linienbussen auch mit unserer Wochen-Metrokarte fahren kann. Die Fahrkarte auf dem Hinweg hätten wir uns also sparen können, wenn wir das gewusst hätten.

Dummerweise kamen wir nun in den Feierabendverkehr, der Bus war schnell proppevoll und die breiten Straßen zugestaut. Über eine Stunde waren wir unterwegs, bis wir endlich wieder an einer Metrostation ankamen. Hier dachte ich nun endlich auch einmal an ein Foto der dicken Stahltüren, die im Kriegsfall die Stationen zu abgeschlossenen Bunkern machen.
Wieder in der City wollten wir nun noch die Auferstehungskirche besichtigen, bisher waren wir ja nur einmal abends dran vorbei gelaufen und hatten sie aus gewissem Abstand gesehen. Tja, genau Mittwochs ist das Museum (als solches fungiert die Kirche heute) geschlossen. Es sollte wohl nichts werden mit dem Besuch. Es blieb wieder nur der Blick von außen.
Inzwischen hatten wir auch ziemlichen Hunger und wollten direkt zu einem indischen Restaurant, welches wir an einem der Vortage schon gesehen hatten. Leider gab es spontan keinen freien Platz dort, somit gingen wir zu einem Italiener nebenan, dort war noch ein kleines Plätzchen für uns frei. Danach schlenderten wir dann zurück zum Hotel. Ab unter die Dusche und danach im Bett noch etwas entspannen.


Donnerstag, der 23.08.

Unser letzter ganzer Tag in Sankt Petersburg war nun auch schon angebrochen. Auf dem heutigen Programm stand ein Friedhofsbesuch (machen wir ja generell ganz gerne bei Städtetrips), allerdings nicht ein beliebiger. Ziel war der Bogoslowskoje-Friedhof, auf dem u.a. Wiktor Zoi beerdigt wurde. Eins dieser Ziele, zu denen Genia unbedingt wollte (die Vorgeschichte vom 14.08. aus Moskau). Unser erstes Ziel war die Metrosttaion Ploschad' Muzhestva an der Linie 1, von hier sollte es zu Fuß nicht mehr weit sein. Als wir wieder an der Erdoberfläche waren, stellte sich schnell die Erkenntnis heraus, das Sankt Petersburg (wie viele "schöne" Städte) in erster Linie im Zentrum glänzt. Hier liefen wir an breiten Einfallstraßen zwischen alten Hochhäusern und runtergekommener Infrastruktur vorbei.


Während ich Fotos machte, wurden wir von einem älteren Herrn angesprochen. Ich beobachtete das Gespräch und war gespannt, was er zu sagen hatte. Zunächst dachte ich, ihm gefällt nicht, dass ich hier die marode Architektur aufnahm. Aber genau das gegenteil war der Fall: Er hatte uns sofort als Touristen erkannt und meinte, wir sollten das festhalten und auch unbedingt ins Internet stellen! In der Innenstadt wird alles renoviert und schön gemacht und hier am Stadtrand würden "sie" alles verfallen lassen und das dürfte ruhig jeder sehen! Tja, Recht hatte er....
Weiter suchten wir uns den Weg zum Ziel, was sich als gar nicht so einfach herausstellte. Zwischen der Hauptstraße und dem Friedhof lag eine Bahnstrecke, also gingen wir zunächst an einer anderen vielbefahrene Straße entlang über eine Brück und versuchten dann durch ein Industrie/Gewerbegebiet zu kommen. Das klappte aber nicht, also zurück und von der Hauptstraße durch einen Park versucht.
Dieser endete in einen Garagenpark mit unbefestigten Zufahrtswegen, runtergekommenen und vollgemüllten Ablageflächen und wildem Bewuchs. Kam uns nicht wirklich richtig vor. Ein Polizeiauto stand hier auch an einer Ecke, also fragte Genia mal nach. Zu unserer Überraschung waren wir doch richtig, wir müssten nur diesem (Trampel-)Pfad folgen und dann über die Schienen, schon wären wir da.


Zu unserer Überraschung stimmte das, auf der anderen Seite der Schienen war ein kleines, offenes Tor am Rand eines kleinen Wäldchens, durch das wir den Friedhof betraten. der Randbereich des Friedhofs war offensichtlich schon länger der Natur überlassen, alles stand voll mit jungen Birken und diversen Sträucher, die so langsam die alten Gräber zuwucherten. Im zentralen Bereich des Geländes waren dann die neueren Gräber und hier scheinen auch Gärtner regelmäßig ihre Arbeit zu tun. Wir schauten uns etwas um und dann etwas ratlos, wo wir nun das "richtige" Grab finden sollten. Zum Glück zeigte mir meine OpenStreetMap-App die Position auf der Karte an.


Neben dem eigentlichen Grab gab es davor noch zwei Bänke (mit dem Namen seiner Band, Kino, beschriftet) und eine Feuerstelle. Scheint in der Tat schon eine Art Pilgerstätte zu sein, womit sich mein vorher gezogener Vergleich zu Jim Morrison als nicht ganz unpassend erwies.
Wir machten eine kurze Pause und schauten uns dann noch etwas um. Hier scheint es ziemlich Mode zu sein, Bildnisse der Verstorbenen auf die Grabsteine zu lasern. Bei den alten Gräber gab es oft noch klassische Fotos, meist so ausgeblichen, dass man kaum noch etwa erkennt.


Wieder was Neues entdeckt, solche Grabsteine kannte ich bisher auch noch nicht. Nicht nur Portraitbilder gab es, auch Darstellungen aus dem Leben, z.B. von einem jungen Mann mit seinem BMW, der einen Tag vor seinem 30. Geburtstag starb (in seinem Auto?).
Nachdem wir hier nun genug gesehen hatten machten wir uns wieder auf den Weg, unser nächstes Ziel war die Gazprom-Arena. Also ging es mit der Metro zurück in die City, um von dort mit der Linie 3 zur Station Novokrestovskaya zu fahren. Die ist, wie das Stadion ja auch, nagelneu.


Diese Arena war nach dem altehrwürdigen Luschniki-Stadion in Moskau das zweitgrößte Stadion der WM 2018, aber sicherlich die schönste. Der Bau verlief alles andere als problemlos und so ist hier ganz nebenbei mit geschätzten Kosten von 930 Mio € (!) das teuerste Stadion der Welt entstanden. Bevor wir Richtung Eingang gingen, durfte ein Panoramabild nicht fehlen.


Der direkte Zugang von der Metrostation war durch Zäune versperrt, wir mussten komplett um den ganzen Komplex zur gegenüberliegenden Seite laufen. Ob das bei Spielen auch der Fall ist, weiß ich natürlich nicht.

Nun ja, dort angekommen war ganz hinten ein Kassenbereich anscheinend geöffnet. Allerdings nicht für eine Besichtigung (das geht wohl generell nicht), sondern hier war Presse-Einlass für das später am Abend stattfindende Europa League -Spiel von Zenit. Somit blieb uns nur der Blick von außen auf die Arena und wir machten uns wieder auf den Weg zurück zur Metro-Station. Direkt am Wasser liegend konnten wir zudem noch einen Blick hinüber zu einem Hafenbereich werfen, an dem offensichtlich die dicken Kreuzfahrtpötte anlegen, die kreuz und quer durch die Ostsee schippern. Hier bleiben die zum Glück mit ihrem Mief weit genug weg von der Innenstadt und bei den eh zahlreichen Touristen fällt so eine Schiffsladung auch nicht auf. Ich machte noch eine Rundumaufnahme und dann ging es für uns weiter, noch eine Station bis zur Endstation (der Linie 3) Begovaya.


Dort war unser letztes Ziel außerhalb der City, das höchste Gebäude des Kontinents. Wir wollten mal schauen, wie nah wir dort heran kommen. Wir hatten das Laktha Center ja schon öfters aus allen möglichen Perspektiven gesehen, nun wollten wir halt auch mal näher ran.
Rund um die Metrostation waren allerhand neue Gebäudekomplexe entstanden oder waren noch im Bau. Unser Weg führte uns zunächst an dem großen Parkplatz der Shopping-Mall Atlantic City vorbei, hier war es Zeit für ein Päuschen samt Toilettenbesuch.
Danach gingen wir zum Park 300, einer neu entstandenen großen Grünfläche direkt am Meer. So richtig belebt wirkte diese Ecke der Stadt trotz der vielen Menschen noch nicht, es war eher ein durchgängiger Baustellencharme zu spüren. Auch der Park war noch in der Entstehungsphase mit seinen zahlreichen noch kleinen Bäumen.


Am Ende des Parks angekommen stellte sich nun die Frage, ob wir noch über die Brücke einige hundert Meter weiter zum Center gehen oder es aber lassen. Da das Gebäude, trotz seiner erreichten finalen Höhe, nach wie vor eine Baustelle ist (was man gut aus der Entfernung erkennen konnte), beließen wir es mit dem Blick übers Wasser. Wir schlenderten dann bald wieder zurück und machten uns wieder auf dem Weg in die Innenstadt.
Zum Abschluss wollten wir dann noch unsere Bootstour durch die Kanäle der Stadt und der Newa machen, die wir bisher verpasst hatten. Direkt am Newski Prospekt angekommen konnte ich nahe der Metrostation dann direkt man eine Truppe Maler bei der Arbeit beobachten. 4 Männer waren dabei, die Fassade zu streichen, etwa in Höhe der 3. Etage. Nicht wild, denkt man. Einfach ein gerüst vor das Haus und los. Tja, nicht so in Russland! Hier sitzen alle 4 auf kleinen Holzbrettern wie bei einer Schaukel, die über das Dach befestigt sind und unten von den Kollegen gehalten werden. Falls doch etwas passieren sollte, unten auf dem Gehweg lagen ein paar alte Matratzen. So eine Bettunterlage hilft sicherlich viel, wenn man aus etwa 10m Höhe runter fällt. Fast unnötig zu erwähnen: Abgesperrt waren im Prinzip nur die Matratzen.


Nach diesem kurzen Crashkurs in Sachen Arbeitsschutz gingen wir dann zum Anleger, kauften die Fahrkarten und bald schon ging es los. Es war auch wieder Zeit für ein Panoramabild.


Leider war das Wetter nicht mehr so schön wie vorher am Tag, es zog sich zunehmend zu.
Zunächst fuhren wir über die Fontanka, an dessen Uferbefestigungen zahlreiche prachtvolle Bauten zu bewundern gibt.


Zum Glück gab es an Deck auch Decken für die Fahrgäste, spätestens als wir die Kanäle verließen und auf die offene Newa heraus fuhren wurde es mit dem auflebenden Wind ganz schön frisch.


Nachdem wir an den an der Newa liegenden Innenstadtkern vorbei gefahren waren, drehte das Schiff um und fuhr wieder zurück. Schade, durch einen anderen der zahlreichen Kanäle zurück hatte mir persönlich etwas besser gefallen, weil man dann auch noch andere Bereiche gesehen hätte.


Aber auch so war es eine nette Abschlussrunde für uns in dieser Stadt. In der Nähe des Anliegers gingen wir noch bei Bol'shaya Kukhnya zum Essen und schlenderten danach zurück zum Hotel.

Nun machte ich endlich auch noch ein abendliches Fotos vom wunderbar verspielten Schaufenster des Nepredskazuyemyy Predskazatel' (was immer das bedeuten mag). An den vergangenen Tagen kamen wir so häufig daran vorbei, aber immer standen mir viel zu viele Menschen davor. Da unser Flieger am nächsten morgen schon um 08:25 Uhr startete, mussten wir ja recht früh aus den Federn. Also noch kurz an der Rezeption (in der Küche) die Schlüsselabgabe geklärt und für den nächsten Morgen ein Uber bestellt. Kannte ich ja bisher nur vom Namen, hatte ich noch nie genutzt. Ohne Alia wäre ich wohl auch gar nicht auf die Idee gekommen. Die Fahrt sollte 646 Rubel (etwa 9€) kosten, für die gut 20km lange Strecke bis zum Airport Polkowa ganz OK. Danach packten wir unsere Koffer, sprangen unter die Dusche und dann ins Bett.


Freitag, der 24.08.

Um Viertel vor 5 war die Nacht vorbei, es folgte die schnelle Morgentoilette, die restlichen Sachen in den Koffer, Schlüssel an der Rezeption ablegen und raus.
Rund 10min später kam dann auch ein Taxi (ein "echtes" mit entsprechendem Schild) und das stellte sich als unser Wagen heraus. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt kamen wir an und ich gab dem Fahrer 700 Rubel. Der bedankte sich artig und war sehr freundlich und hilfsbereit. Erst später fiel mir ja ein, das die Fahrt ja schon über die App bezahlt war und statt des üblichen Trinkgelds hatte ich die ganze Fahrt noch einmal bezahlt. Da insgesamt umgerechnet 19€ jetzt auch nicht übertrieben teuer sind passte das schon. Wird unter Lehrgeld abgebucht.
Dann folgte das Einchecken und nachdem wir noch etwas gefrühstückt hatten, gingen wir Richtung Sicherheitsbereich. Dort gab es vorab eine Überprüfung der Bordkarte und wir mussten noch warten, da unser Gepäck noch nicht fertig geprüft war. Wir standen rund 15min an der Seite, bis wir den Hinweis bekämen, irgend etwas würde mit unserem Gepäck nicht stimmen. Es müsste in unserem Beisein noch einmal geöffnet werden. Es ging um meinen Koffer und wir waren zunächst ziemlich verwundert. Dann plötzlich fiel mir was ein!
Genia hatte von Alia ein Mitbringsel aus der alten Heimat bekommen. Sie hatte sich Kurt gewünscht, eine salzige, getrocknete Quarkspeise aus aufgekochter, saurer Milch hergestellt. Ich sage mal so: Für meinen Gaumen schon ziemlich Gewöhnungsbedürftig. Sie hatte das in ihrer Kindheit immer gerne gegessen und in Deutschland ist sowas nicht zu bekommen.
Jedenfalls hatte ich dieses Kurt stark in Verdacht, der Auslöser für unser Gepäckproblem zu sein! Womöglich hatten die aus dem Sicherheitsbereich das für Plastiksprengstoff oder sowas gehalten. Somit durfte Genia mit dem (sehr freundlichen) Mitarbeiter in die Gepäckabteilung gehen, um meinen Koffer zu öffnen. Das sollte sie mal schön erklären (ich hätte es ja eh nicht gekonnt)...
Nach einigen Minuten kam Genia dann selbstzufrieden grinsend zurück und hielt mir meine Powerbank entgegen. OK, nun durfte ich erst einmal zu Kreuze kriechen.
Somit kamen wir nun doch noch in unseren Flieger von Rossija.


Schon beim Einchecken wurden wir gefragt, ob wir bereit wären, am Notausstieg zu sitzen. Na klar, das nimmt man ja gerne mit, gerade wenn man sonst dank der eigenen Größe wie die Sardine in der Dose sitzt. Somit bekamen wir noch eine kurze Einweisung, die noch einmal in Worten erklärte, was die Bilder auch schon aussagen.
Dann ging es auch schon los und unser Airbus hob ab. Der Flug war unspektakulär und dank größtenteils Wolkendecke gab es auch nicht wirklich etwas zu sehen, bis wir um kurz nach 10 Uhr zur Landung in Düsseldorf ansetzten.


Nach der Landung dann noch flott unser Gepäck einsammeln und ab zum Eingangsbereich, an dem wir den Shuttlebus treffen sollten. Auch das klappte und so waren wir am frühen Nachmittag wieder daheim.


Was bleibt?

Im Doppelpack mit Moskau haben wir nun innerhalb von 12 Tagen zwei wahnsinnig tolle und interessante Städte gesehen, die sich doch in so vielen Dingen unterscheiden.
Sankt Petersburg ist im Vergleich zu Moskau die "ruhigere" und lieblichere Stadt. Sie glänzt (wenn man mal den Blick weiter zum Stadtrand weg lässt) durch ihre Schönheit. Die schiere Anzahl an prunkvollen Palästen, Schlössern und anderen Prachtbauten erschlägt einen geradezu und sucht weltweit ihres Gleichen! Es gibt einfach wahnsinnig viel zu sehen.
Auch abseits der Pracht macht die Stadt viel Spaß, eine Metropole dieser Größe hat ja grundsätzlich genug zu bieten. Das viele Wasser in der Stadt, die mächtige Newa quer dadurch und direkt die Ostsee vor der Tür haben natürlich was. Generell ist Russland für uns preislich gerade ziemlich attraktiv, so kann man die örtliche Gastronomie natürlich prima durchtesten. Die Menschen sind (wie in Moskau auch schon) allesamt sehr freundlich und hilfsbereit, in den zahlreichen Läden im Zentrum kommt man auch mit englisch ganz passabel durch. Wie auch in Moskau ist die Metro durchgängig auch in lateinischer Schrift ausgezeichnet, man findet sich also leicht zurecht.
Wo man (ohne russisch) ziemlich alleine da steht ist das Orientierungs-Chaos überall. Ohne vorher gebuchte Tour (was offensichtlich die meisten Touristen machen) muss man sich ständig durchfragen wo man nun hin muss und das geht ohne russisch einfach nicht.
Wenn man die (zeitliche) Möglichkeit hat, kann man die Stadt vielleicht am besten während der Weißen Nächte besuchen, dann ist die Stimmung sicher ganz besonders. Sankt Petersburg ist schließlich die nördlichst gelegene Millionenstadt der Welt und unbedingt eine Reise wert!

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