Donnerstag, 15. Juli 2021

Ägypten 2020 - Tag 6

Hinweis: Dieser Reisebericht stammt nicht von mir selber, sondern von Genia.
Von mir stammen die eingefügten Fotos, Links und ggf. technischen Daten.

Hier die Foto von diesem Tag:



Donnerstag, der 30.01.

Wir wachten zeitig auf und gingen runter in die Lobby. An diesem Tag stand der Besuch in Abu Simbel an. Der Ausflug war nicht mit im Paket, deswegen waren die Schweizer nicht dabei. Frühstück gab es noch nicht, aber wir haben Kaffee bekommen, auch schön. Zudem gab es noch ein Lunchpakete. Ein klimatisierter Kleinbus hat uns ein paar Minuten verspätet abgeholt, mit dem wir erst zu einem anderen Schiff gefahren sind, wo wir noch ein deutsches Paar abgeholt haben. Als erstes hat sich die Frau darüber aufgeregt, dass sie schon lange draußen auf uns warten. Naja, 15 Minuten vielleicht… Dann haben wir noch drei junge Studentinnen abgeholt: eine Nichte des Veranstalters und ihre Freundinnen.
Die Fahrt sollte ungefähr 4 Stunden dauern. Diese Region Ägyptens ist ganz im Süden des Landes nah an der Grenze zum Sudan und immer wieder unruhig. Es gab in der Vergangenheit auch immer wieder einmal Übergriffe auf Touristen, daher ist die Straße mittlerweile für den freien Verkehr gesperrt. Es gibt im Süden auch keine offene Landgrenze zum Nachbarstaat. Nachts ist die Strecke zwischen Assuan und Abu Simbel komplett gesperrt, sie wird um 5 Uhr morgens geöffnet und um 4 Uhr nachmittags  wieder geschlossen. Alle Autos stehen kurz vor 5 Uhr an der Ausfahrt aus der Stadt und warten auf die Öffnung. Die Strecke wird dann für die geöffneten Stunden vom Militär überwacht. Zudem müssen jede Fahrt und alle Insassen vorher angemeldet werden. "Einfach so" kann man dort nicht lang fahren. Schon etwas umständlich, aber seitdem ist in dem Gebiet zumindest Ruhe und Übergriffe gibt es auch nicht mehr.



Irgendwann ging es weiter (all zu lange mussten wir nicht warten), alle Autos fuhren erst geordnet hintereinander, dann wurde überholt, nur ab und zu kam auch mal ein Auto entgegen. Und auf einmal waren wir mitten in der Wüste. Ich liebe die Wüste... 
Gegen 6:30 sind wir stehen geblieben um uns die Füße zu vertreten und den Sonnenaufgang zu genießen. Ja, das hat sich gelohnt. Etwas später haben wir an einem Ort, wo bereits viele andere Busse standen, noch eine kurze Toilettenpause gemacht. So eine Art Rastplatz im Nichts. Tja, trotz aller Vorsicht hat die Magen-Darm-Verstimmung auch mich etwas eingeholt. Aber dann war es auch wieder gut. 



Frank hat sich während des ganzen Ausflugs sehr gut gefühlt, Mahmouds Tabletten haben da echt gewirkt! Wir fuhren weiter, leerten unsere Lunchpakete…
In Abu Simbel angekommen sind wir mit Mahmoud und dem deutschen Paar vom Parkplatz auf das Tempelgelände gegangen. Die drei Mädels sind bis zu den Kassen mit uns mitgegangen, danach im Alleingang. Hier ging es ohne Warteschlange. Man hat sich für 10 Uhr wieder auf dem Parkplatz verabredet.
Auf dem Tempelgelände musste man erst um den Felsen herum gehen, in den die beiden Tempel Abu Simbel und Hathor eingeschlagen sind. Der große Tempel zum Ruhm von Ramses II war einst komplett unter Sand begraben, nur der Kopf einer der großen Statuen schaute noch raus. Den kleinen Tempel der Hathor, ebenfalls von Ramses II zur Erinnerung an seine Frau Nefertari gebaut, konnte man besichtigen, und dabei ist man auch auf den großen Tempel gestoßen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der vom Sand befreit. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat man den Bau des neuen Assuan-Staudamms beschlossen, was zur Folge hätte, dass die Tempel von Abu Simbel im Wasser verschwinden würden. Es wurde eine groß angelegte internationale Aktion zur Rettung dieser und einiger anderen betroffenen Tempelanlagen rund um den zukünftigen Stausee gestartet. Nach vielen Überlegungen hat man sich entschieden, die Tempel in Stücke zu schneiden (klingt einfacher als es war, was aber wunderbar gelungen ist) und in denselben Felsen, nur 64m höher wieder einzuschlagen. Bei der Verlegung hat man besonders darauf geachtet, die Ausrichtung der beiden Tempel zu behalten: im Allerheiligsten des großen Tempels findet zwei Mal im Jahr das sogenannte “Sonnenwunder” statt, das bis heute viele Touristen anlockt. Darauf wollte man nicht verzichten, gut so. Wenn man jetzt also vor den Tempeln steht, steht man nicht am Originalschauplatz.



Wir sind also um den Felsen rum gegangen und als erstes eine etwas längere Warteschlange gesehen und erst dann den Eingang zum Hathor-Tempel. Hm, ganz schön was los hier. Wir haben uns vor dem Tempel in den Schatten gestellt und Mahmouds Erzählungen gelauscht. Irgendwann wurde die Schlange kürzer und wir sind rein, durch den Gang an der Fassade des Tempels, welche aus 6 Statuen besteht.



Innen gibt es mehrere ineinander übergehende Hallen, Reliefdarstellungen und Hieroglyphen an allen Wänden, ganz tief im Felsen das Allerheiligste.


Danach sind wir zum großen Tempel gegangen. Tja, was soll ich sagen? Großartiger Anblick! Die vier riesigen Statuen auf beiden Seiten des Eingangs sind einfach unbeschreiblich, hier kann man sich fotomäßig gut austoben, wenn man der Typ dafür ist… Wir haben es einfach genossen.  


Die Warteschlange vor dem Eingang war hier etwas länger - macht nichts. Im Inneren des Tempels haben Frank und ich uns aus den Augen verloren. Kein Wunder bei der Menschenmenge. Hier gab es viel mehr Räume, kleinere, größere, am Ende, wie immer, das Allerheiligste, in diesem Fall vier nebeneinander sitzende Statuen (drei von Gottheiten und eine von Ramses II), auf die zweimal im Jahr zu bestimmter Uhrzeit das Sonnenlicht fällt - das berühmte “Sonnenwunder”.


Vor diesem Raum natürlich die obligatorische Warteschlange, die aber schnell voran kommt. Trotzdem, irgendwann will man einfach raus aus dem Trubel. 




Ich persönlich fand die großen Statuen vor dem Eingang eh am schönsten. Wir sind etwas weiter weg von den beiden Tempeln gegangen, haben uns hingesetzt und die Aussicht genossen. Natürlich machten wir auch so einige Fotos.



Irgendwann kam der Zeitpunkt, wo man doch los musste, wenn man nicht zu spät am Parkplatz sein wollte. Auf dem Weg haben wir noch einen Geldautomaten gefunden und ein bisschen Bargeld geholt. Wir waren pünktlich um 10 Uhr an unserem Bus, alle anderen waren schon da, außer den drei Mädels. Die Zeit verstrich, die Mädels kamen immer noch nicht. Wir waren im Grunde locker - unser Schiff sollte noch zwei Tage im Hafen bleiben. Aber andere Mitfahrerin wurde langsam nervös - ihr Schiff sollte bereits um 14 Uhr ablegen, und wir hatten noch 4 Stunden Fahrt vor uns. Sie fing an, sich aufzuregen und Mahmoud anzufahren, dass das so nicht geht, dass wir los müssen.
Mahmoud versuchte sie zu beruhigen, dass das Schiff ganz sicher auf sie warten würde. Abgesehen davon: Was soll man denn machen? Die Mädchen da lassen oder was?
Irgendwann kamen die dann an, sichtlich in Eile, aber gut gelaunt. Die Frau fuhr sie dann ganz aufgeregt an, so ginge das nicht und überhaupt. Die Mädels entschuldigen sich und endlich konnte es weitergehen. Ich glaube, die Frau dachte wirklich, dass das Schiff ohne sie wegfährt.
Diese Befürchtung hatte ich auch schon einmal, ein paar Tage zuvor in Luxor, als wir auch zu spät dran waren. Aber hier wird das schon etwas gelassener gesehen. Es gibt immer etwas Zeitreserve.
Die aufgebrachte Frau schmollte die ganze Fahrt lag. Unterwegs wollten wir ursprünglich noch kurz stehen bleiben, weil Mahmoud uns eine Fata Morgana versprochen hat. Aber wir wollten die Stimmung im Bus nicht noch weiter anheizen, deswegen wurden die Fotos des Naturschauspiels aus dem fahrenden Auto gemacht, auch ok.




Zurück in Assuan haben wir das andere Paar abgesetzt und natürlich lag ihr Schiff noch im Hafen) und hat gewartet, wie Mahmoud versprochen hatte. Schließlich hatte er von unterwegs extra noch einmal angerufen. Wir sind dann weiter zu unserem Schiff gefahren und konnten vor dem Mittagessen noch kurz entspannen.


Wie jeden Tag, baute uns der Zimmerservice ein kleines Handtuch-Tier auf unser Bett, heute hatten wir einen Elefanten.


Da meldete sich der Magen von Frank wieder - zum Mittagessen bin ich dann wieder alleine gegangen. Mittlerweile haben Kellner und Köche schon mitbekommen, dass er ein Problem hat - ich musste haufenweise Bananen, Cola und Fanta mit nach oben nehmen. Alle waren besorgt und kümmerten sich ohne nachfragen zu müssen, toll!
Zum nachmittäglichen Ausflug in die Stadt bin ich somit ohne Frank gegangen, aber mit den vier Schweizern. Ich habe mich mit ihnen bis jetzt nicht richtig unterhalten, sie schienen aber nett zu sein. Jetzt ging es also in die El-Tabia-Moschee, ich wollte schon immer mal eine von innen sehen.



Wir haben unsere Schuhe ausgezogen, sind vorsichtig rein, es war kein Mensch da. Für uns standen schon Stühle bereit. Wir haben uns hingesetzt, und Mahmoud hat angefangen, uns die Geschichte des Islam zu erzählen. Ich fand das sehr interessant, bin ich doch grundsätzlich sehr neugierig auf andere Sichtweisen, Lebensanschauungen und Religionen. Einer von den Schweizern fing aber an, Mahmoud Fragen zu stellen, die ich etwas unpassend und provozierend fand. Als dann auch noch die Frage kam: “Und warum denkt Ihr, dass Euer Gott besser ist als unser?”, konnte ich mich nicht mehr zurückhalten und sagte: “Es ist derselbe Gott.” Was sollte das? Das hier war doch keine theologische Diskussion! Man geht in einen alt-ägyptischen Tempel und lässt sich die Gebräuche, die Bauweise, die Götter von damals erklären. Man stellt das nicht in Frage sondern nimmt es einfach hin. Jetzt ist man in einer Moschee, bekommt etwas erklärt und hört auch einfach zu. Wie auch immer, dass ich was gesagt habe, hat ihm nicht gefallen, und als nächstes habe ich selbst verbal was abbekommen, was mich doch ziemlich sprachlos gemacht hat. Später gab es draußen ein kurze Aussprache, wonach der Mann den Rest des Tages schweigend verbracht hat, und auch in den nächsten Tagen nicht mit mir gesprochen hat. Ich bin voll gut damit klar gekommen.
Nach der Moschee sind wir zu einem altägyptischen Steinbruch gefahren, der leider schon zu hatte. Dort liegt der unvollendete Obelisk von Assuan. Auch so eine touristische Attraktion, die einen Einblick in die Fertigstellung der altägyptischen Obelisken und Statuen gibt. Leider konnte man vom Tor aus nur einen kurzen Blick darauf werfen.


Von hier aus sind wir zur koptisch-orthodoxen Kathedrale gefahren. Die steht auf einer Anhöhe, im Hof der Kirche gibt es mehrere Geschäfte, die religiöse Souvenirs verkaufen. Eine große breite Treppe führt zum Eingang der Kirche, auf der Kinder hoch und runter gelaufen sind, Teenies und Erwachsene sich unterhalten haben. Niemand wurde zur Ruhe ermahnt. Man hatte das Gefühl, dass das nicht nur ein religiöser, sondern auch Ort der Begegnung ist.
Mahmoud hat uns über die Kopten und deren Glauben erzählt, dass sie sehr wohlhabend, aber auch wohltätig sind, dass sie gerne unter sich bleiben. Ins Innere der Kathedrale durften wir natürlich auch, und haben uns später ein wenig mit einer Souvenirladen-Verkäuferin unterhalten, die etwas deutsch konnte.



Danach ging es auf einen Basar. Huch, das war ja was… Zuerst in einen Gewürzladen, wo ein deutsch sprechender Verkäufer uns alle möglichen Gewürze angepriesen hat. Ich habe für uns einen Pfeffer-Mix gekauft und für meinen kränkelnden im Bett gebliebenen Frank gesalzene Nüsse (die haben ihm später sehr gut geschmeckt und waren schnell alle). Es ging immer weiter, an zig verschiedenen Läden vorbei. Viele Verkäufer haben uns auf deutsch angesprochen.


Danach ging es zurück aufs Schiff, und nach einer kurzen Pause zum Abendessen (wieder ohne Frank). Nach dem Abendessen gab es in der Bar eine Bauchtanzshow. Da der orientalische Tanz voll meine Welt ist bin ich natürlich hin. Leider war die Tänzerin nicht so ganz nach meinem Geschmack, 5 Minuten später war ich wieder draußen. Somit war auch dieser eindrucksvolle Tag beendet.

Die an diesem Tag besuchten Orte:

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