Freitag, 9. April 2021

Drohnen-Unterschiede

Schon vor etwas längerer Zeit habe ich einen Wechsel bei meinem Foto/Video-Fluggerät gemacht. Warum ich wechselte, hatte ich hier kurz zusammengeschrieben.

Nun, nach einigen Wochen möchte ich jetzt einmal auf die Unterschiede der beiden Drohnen eingehen. Seit diesem Jahr (2021) sind mit der nun gültigen EU-Drohnenverordnung einige Änderung in der rechtlichen Lage passiert. Neue Drohnen werden in 5 verschiedenen Klassen (C0-C4) einsortiert. Das betrifft aber erst Fluggeräte, die nach der neuen Verordnung zugelassen werden. Parallel dazu gibt es noch die verschiedenen (für Hobbyflieger) offenen Kategorien. In diese werden auch die schon vorhandenen "Altdrohnen" einsortiert. Her gibt es die Unterkategorien A1, A2 und A3. Je höher die Nummer, desto strenger die Regelungen. Für Bestandsdrohnen kommen dabei faktisch nur die Kategorien A1 und A3 vor.
Das heißt konkret: Unter 250g Startgewicht fällt man in A1, darüber (bis max. 25kg) in A3.
Und das bedeutet ausformuliert: Bis 250g darf man recht nah an Menschen fliegen, solange es keine Menschenansammlungen sind, selbst der "unerwartete Überflug" ist OK, sollte aber schnell beendet werden. Ebenso darf man nah an Gebäude und auch in Wohngebieten fliegen (wobei natürlich Privatbesitz zu beachten ist!). Bei der A3 sieht das ganz anders aus, hier muss zu Menschen Abstand gehalten werden und ebenso von definierten Flächen, z.B. 150m zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten.
Kurzum: Hier ist die Nutzung schon etwas eingeschränkter und zudem ist auch (nach Ablauf einer Frist bis zum 31.12.2022) ein EU-Drohnenführerschein nötig. Unterhalb von 250g ist dieser nicht nötig. Dieser Führerschein ist allerdings kein Hexenwerk und schnell gemacht. Er war so über den Jahreswechsel zudem noch kostenlos (keine Ahnung, ob das aktuell noch so ist), daher habe ich ihn auch gleich einmal gemacht (5 Jahre gültig). Es gibt Online-Übungen und man darf den Test beliebig oft machen. Schaden kann es also nicht...
Soviel mal zu den rechtlichen Sachen, jetzt soll es konkret einmal um die Nutzungsunterschiede zwischen Anafi und Mini 2 gehen.

Zunächst ist die DJI noch etwas kompakter als die Parrot, der Unterschied ist jetzt nicht unbedingt riesig, aber doch bemerkbar. Zusammengeklappt sind beide recht kompakt.
Von ihrem Flugtempo und der Flugzeit unterscheiden sich beide nicht so viel, die DJI ist zwar mit 31min Flugzeit angegeben, realistisch schafft sie aber eher ~25min, also so über dem Daumen vielleicht 2min mehr als die Anafi. Einen Unterschied gibt es aber bei der Windgeschwindigkeit zur Nutzung. Die alte kleine DJI Mavic Mini war hier bis 4bft (also ~30km/h) zugelassen, die neue Mini 2 bietet hier schon 5bft (~40km/h). Das ist ganz OK, die Anafi hat hier allerdings 6bft (~50km/h) zu bieten und das ist schon recht ordentlich. Ich konnte die Windfestigkeit der Parrot auch auf Island einmal testen und das war wirklich beeindruckend!


Weitere technische Unterschiede betreffen die Kamera: Die Anafi hat einen 21 MPix Sensor, der der Mini 2 kommt "nur" mit 12 MPix daher. Zudem hat die Parrot noch einen (verlustfreien) Digitalzoom und beherrscht einen HDR-Modus. In der Praxis sind die Unterschiede für mich nicht wirklich wichtig, die Aufnahmen haben auf den flotten Blick (abgesehen von der Auflösung) kaum relevante Unterschiede, die Qualität passt mir von beiden. Für den ambitionierteren Fotografen können beide im RAW-Format knipsen. 
Ein Unterschied ist allerdings die Schwenkbarkeit der Kamera, hier kann die Anafi nämlich senkrecht nach oben schauen, das ist wohl recht einmalig, bei den DJI-Modellen ist bei (glaube ich) etwa 20° Neigung Ende. Das bedeutet natürlich auch, bei einem 360° Kugelpanorama (was beide anbieten) fehlt bei der Mini 2 nach oben etwas. Gut, in der Regel ist dort eh Himmel und nicht so wahnsinnig wichtig, aber es soll halt erwähnt werden.
Komme ich nun einmal zur Fernbedienung und der Flug-App samt ihrer Funktionen. Was direkt beim Flug an und über Wäldern auffällt: Die Verbindung ist bei DJI dank OcuSync-Technologie in der Version 2.0 deutlich stabiler als die WiFi-Verbindung der Anafi. Was bei einem Flug über flache Felder erst in gewisser Entfernung auffällt, bemerkt man in ungünstigeren Geläuf sehr schnell (teilweise schon unterhalb von 100m Entfernung). Klarer Pluspunkt für die Mini 2!
Auch die Steuerung erscheint etwas präziser, was wohl auch an der insgesamt massigeren RC samt Metallhebeln liegt. Auch schön: Einen festen Schalter für die Fluggeschwindigkeiten, das geht deutlich flotter als die Modus-Auswahl in der App auf dem Display.
Die Anafi hat hingegen direkt Knöpfe für "Return to home" sowie landen/starten, diese Funktionen muss man bei der DJI auf dem Display auslösen. Durch die hinteren Klapp-Propeller sind die Rotoren ebendort bei der Mini 2 sehr nah an der Erde, wenn die Drohen auf dieser steht. Die Anafi hat da längere Abstandshalter und kann somit auch auf Rasen ohne bedenken landen. Allerdings funktioniert bei beiden das Starten und Landen in der Hand auch gut, somit ist das nicht wirklich ein Problem.
In Sachen Datenaustausch und Funktionen bietet allerdings die Anafi-App deutlich mehr. Es gibt mehr Automatische Flugmanöver, die meisten davon habe ich allerdings nur testweise einmal ausprobiert. Nur der "Camaraman" fehlt mir etwas: Dabei wird das Zielobjekt auf dem Display markiert und die Drohne hält es beim freien Flug immer zentral "im Auge". Auch der Datenaustausch geht klarer, es gibt getrennte Galerien von der Drohne und dem Smartphone, auch an die RAW-Aufnahmen kommt man so direkt heran und kann sie übertragen. Von denen will die DJI-App nichts wissen, die muss ich mir selber von der Speicherkarte kratzen.
Am Auffälligsten ist der Unterschied aber bei den Rundherum-Panoramen. zunächst die Fotoanzahl: Die Anafi macht 42 Fotos für ein Panorama (dazu mit deutlich höherer Auflösung), die Mini 2 "nur" 26 Fotos. OK, oben fehlt bei der DJI halt wegen der nicht Erreichbarkeit. Die Mini 2 hat den Job allerdings deutlich schneller erledigt (gefühlt etwa Faktor 3!).

Hier einmal ein Video dazu:

Ist die Aufnahme nun fertig, kann man in der Anafi-App dann das Kugelpanorama erstellen, wahlweise mit 16 oder 32MPix. Danach kann man es auf dem üblichen Weg auf das Phone übertragen und dann dort ein wunderbares 360° Panorama, welches auch direkt als solches überall nutzbar ist (z.B. Facebook oder auch Google Photos). So ähnlich kann auch die DJI-App ein Kugelpanorama automatisch erstellen, allerdings kommt da dann ein Gesamtbild mit 8MPix heraus. Für ein 360° Bild ist das arg wenig und sobald man irgendwo auch nur etwas heran zoomt wird es schnell pixelig. Wirklich schade, weil so ein Bild ist nicht wirklich nutzbar.
Es bleibt also nur der manuelle Weg und der ist dann doch ungleich aufwendiger. Der "einfachste" Weg ist noch, alle Einzelbilder auf den Rechner laden, die Fotos dann mit dem Wunschtool stitchen (z.B. mit dem kostenlosen ICE (Image Composite Editor) von Microsoft). Danach fehlt natürlich ein Teil des Himmels (weil die Kamera kann ja nicht ganz nach oben schwenken) und um das notwendige 2:1 Seitenverhältnis zu bekommen muss hier manuell "aufgefüllt" werden. Danach ist das Bild aber immer noch nicht direkt brauchbar, die notwenigen Infos für ein 360° Bild fehlen noch. das kann man entweder manuell in die EXIF-Daten eintragen oder über eine Webseite erledigen lassen. Danach hat man dann meist ein soweit ganz gutes Bild mit 50MPix oder gar 200MPix (bei Nutzung von RAW). Puuuh. Das geht bei der Anafi wirklich deutlich simpler von der Hand. 

Ich habe oben einmal eine Aufnahme zum Vergleich gemacht, bitte nicht auf die unterschiedlichen Farben achten (keinen angepassten Weißabgleich bei den RAW-Fotos gemacht), sondern primär auf die Auflösung. Ich habe zum direkten Vergleich einmal einen Bereich vergrößert:



Hier kann mal schnell erkennen, was für Details bei "Out of the Box" übrig bleiben oder besser gesagt eben nicht. Ich hoffe inständig, dass die DJI-App da vielleicht irgendwann noch nachbessert, im Prinzip kann sie es ja, nur leider in viel zu niedriger Gesamtauflösung.
Ansonsten habe ich mich an die nötigen Arbeitsschritte nun auch gewöhnt und sie gehen einigermaßen flott von der Hand. Nicht ideal, aber ich kann damit leben. Ebenso, dass ich die Speicherarte benötige, um an RAW-Aufnahmen zu kommen. Dafür haben ich nun einen kleinen Kartenleser fürs Smartphone, somit komme ich also auch unterwegs daran, wenn nötig.

TL;DR
Die Anafi kann etwas mehr und hat die gerade für den Datenaustausch die "umgänglichere" App, aber sie kostet halt auch mehr (ist zudem sehr preisstabil). Regelmäßige Updates für App und Firmware bringen zudem auch öfters neue Funktionen!
Die Mini 2 hat die besser Reichweite und in Sachen Video/Foto technisch recht wenig Defizite im direkten Vergleich, sie ist klar günstiger, kompakter und hat zudem mit der aktuelle Drohnenverordnung Einsatzvorteile. Für mich persönlich hat in erster Linie die 360°-Panoramasache ein "Geschmäckle".


Angesichts des Preis/Leistungsverhältnisses und der aktuelle Rechtslage würde ich mich wohl wieder genauso entscheiden und bei einer jetzigen Neuanschaffung wohl wieder zur DJI Mini 2 greifen.

Kommentare:

  1. Ein sehr schöner Test,jedoch wäre der Verweis zu der Übergangsregelung für Startgewicht bis 500g abrunden. Der wirkt sich ja richtig gut auf die Anafi aus

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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