Freitag, 4. September 2026

Motorrad-Display

Es war lange ruhig bei mir in Sachen Motorradnavi. Ich hatte in der Vergangenheit mit verschiedenen Geräten hantiert, auch abseits des "Mainstream". Vor nun bald 6 Jahren landete ich schließlich beim TomTom Rider 420. Das hat ganz offensichtlich seinen Job ganz gut gemacht, sonst wäre es nicht so lange im Einsatz gewesen. 


Aber die Anforderungen ändern sich mit der Zeit. Zunächst änderte ich meine Planungsart bei längeren Rundfahrten, früher steckte ich vorher einzelne Tagestouren ab. Wenn man dann aber nicht so weit kommt wie geplant oder einfach deutlich weiter fährt ("Wetter"), muss man unterwegs die nächste Route laden. Geht alles, aber ist nicht so elegant. Also plante ich in den letzten Jahren immer eine große Runde. So konnten wir einfach fahren, bis wir keine Lust mehr hatten, suchten uns dann eine Unterkunft und am nächsten Tag ging es weiter. So gab es dann geplante Strecken von mehreren tausend Kilometern und genau das brachte das gute, alte TomTom immer mehr an seine Grenzen. Als klassische Route überforderte so eine Planung das Gerät, es wurde daher die Strecke als Track gefahren. Funktionierte soweit OK, hatte aber seine bauartbedingten Nachteile. 
Zudem fahren wir seit einigen Jahren nun auch mit Intercoms, also Gegensprechanlagen. Damit kann man ja neben dem Quatschen in der Gruppe auch telefonieren, Musik oder Podcasts hören usw. Alles mit dem TomTom nicht ganz so einfach. Zudem hatten sich diverse Navi-Apps fürs Smartphone auch weiter entwickelt. Als Backup oder für Leih-/Testmaschinen hatte ich auch schon öfters so ein Gerät im Einsatz, funktionierte auch immer gut. Vor allem merkt man den enormen Performance-Unterschied zur sehr betagten TomTom-Hardware.
Nachteil: So ein Handy lässt man nicht am Motorrad und zudem ist die Stromversorgung bei anhaltender Nässe auch nicht unproblematisch. So ein Outdoor-Gerät ist zwar wasserdicht, aber wenn Regen an/in den USB-Anschluss kommt, wird das Smartphone nicht mehr geladen. 

Mit der ersten Nutzung der Honda Africa Twin kam dann auch der Kontakt mit AndroidAuto bzw. Apple CarPlay. Die Lösung sagte mir theoretisch schnell zu, wenngleich es in der Praxis meisten nicht so wirklich rund lief. Bei der Honda funktionierte die Lösung (anfangs?) nur per Kabel und die Verbindung brach häufig ab (Wackelkontakt?). Wie auch immer: Theoretisch fein, praktisch ausbaufähig. Zudem setzten viele Hersteller immer noch (bis heute!) auf eigene Lösungen.

Der Ansatz sagte mir aber dennoch am meisten zu. Einfach ein Display am Motorrad und dann in der Nutzung flexibel sein, was die Software angeht. So besorgte ich mir aus Testzwecken bald so einen Adapter aus einem der bekannten China-Shops und testete damit herum.
Bald darauf zog so eine Lösung dann auch ins Auto ein, welches dort primär mit Google Maps läuft. Klar, im Auto geht es ja meistens von A nach B, also weniger durchgeplante Routen. 
Fürs Smartphone hatte ich vorher meistens (eine alte Version von) Kurviger Pro im Einsatz, das funktionierte auch soweit gut. Ich hatte das vor längerer Zeit einmal für 10€ erstanden, allerdings unterstützt diese alte Version (zuletzt V1.48) kein AndroidAuto. Die aktuelle Variante kann das, ist allerdings mit meiner alten Lizenz nicht abgedeckt und die neue Version gibt es nur als Abo-Modell. Davon bin ich ja generell kein Freund. Das gleiche gilt z.B. auch für das recht beliebte Calimoto, welches allerdings preislich noch einmal deutlich höher angesiedelt ist. So testete ich zunächst mit freien Apps wie (damals) z.B. MagicEarth, was mich aber nicht wirklich überzeugen konnte. Inzwischen ist das aber auch nicht mehr gratis. So kam ich irgendwann zu MyRoute-App. Gibt es auch als Abo, aber alternativ auch als Lifetime-Lizenz. Neben der App gibt es davon auch ein recht umfangreiches Web-Planungstool. Brauchte ich jetzt eigentlich nicht zwingend, aber mein bisher bevorzugtes (freies) Tool war schon vor etwas längerer Zeit abgekündigt und so gönnte ich mir das große Gold-Paket, welches immer wieder einmal im Bundle zum Sonderpreis angeboten wird. Ich bekam das Paket vor einiger Zeit für 149€, wie gesagt als Lifetime-Lizenz.

Nun wurde es also Zeit für die aktive Motorrad-Nutzung. Dafür benötigte ich aber noch das passende Endgerät. Ich fand schon vor längerer Zeit ein Schnäppchengerät fürs Motorrad, dieses stellte sich in der Praxis aber als nicht geeignet heraus. Die Touch-Bedienung war fürchterlich, selbst mit speziellen Handschuhen schlecht nutzbar, mit "normalen" Modellen gar nicht. Auch musste die Tonausgabe vom Smartphone über das Display hergestellt werden, was in Verbindung mit dem Intercom weitere Probleme machte. Andererseits wollte ich mir aber als "simples" AA-Display auch kein recht hochpreisiges Modell wie von Carpuride zulegen. Deren Geräte machen sicher besonders für BMW-Fahrer Sinn, weil bei bestimmten Modellen das Drehrad am Lenker und die originale Navihalterung genutzt werden können. Nur damit kann ich eh nichts anfangen. Und diese Geräte kosten in der Regel halt ein Vielfaches von den günstigeren Varianten. Andererseits wollte ich jetzt nicht "aufs Blaue" ein weiteres Gerät aus China ordern, ohne dieses ggf. recht einfach wieder umtauschen zu können. So stöberte ich ausgiebig beim "großen A" und bestellte mir 3 verschiedene Modelle, die ich dann ausgiebig testete. Im Endeffekt wurde es dann ein Gerät von Camecho mit 6" Bildschirmdiagonale im Seitenverhältnis 2:1, welches ich damals für knapp 80€ erwerben konnte. Die anderen gingen (problemlos) zurück.



Das Seitenverhältnis passt mir besser als 4:3 oder 16:9, da auch das neue Display an gleicher Stelle wie mein TomTom vorher montiert wird, am Lenker und somit im Sichtbereich unterhalb der Tachoeinheit. 
Zunächst passte ich den Stromanschluss an meine Eigenkonstruktion an, um das Gerät auch leicht entfernen zu können. In der Praxis mache ich das aber inzwischen nicht mehr, sondern nutze eine spezielle RAM-Mount Verschraubung, die man nicht so einfach lösen kann. 



Dieses Modell wird wirklich nur als Anzeige genutzt, mit der Audio-Verbindung hat das Gerät nichts zu tun, da geschieht die Kopplung (wie auch ohne Display) direkt zwischen Phone und Intercom. Ebenso funktioniert die Bedienung auch mit normalen Motorradhandschuhen ganz brauchbar. Das Display hat eine sehr gute Auflösung und ist für alle Wetterbedingungen hell genug, das konnte ich im Frühjahr auf unserer Tour nach Sardinien ausgiebig testen. Auch bestätigte sich die beworbene Wasserdichtigkeit. Ohne Probleme kann ich zudem nun nebenbei Musik oder Podcast hören oder auch bei Bedarf andere Infos abrufen oder telefonieren. 


Ebenso hat sich die nun eingesetzte Navigationslösung mit MyRoute-App bewährt. Zumal die App, wie auch die Planungs-Webseite, ständig weiter entwickelt wird. Seit ich dabei bin, gab es schon einige größere Updates, die neben Fehlerbeseitigung auch diverse weitere Funktionen mitbrachten.
Sowohl das Display als auch die MayRoute-App funktioniert übrigens in "beiden Welten", ich habe beides neben meinem Android Google Pixel auch auf dem (Backup) iPhone installiert und ausprobiert. 

Jetzt bin ich wohl erst einmal wieder versorgt und zudem modular unterwegs. Software und Hardware sind nun bei Bedarf getrennt ersetzbar.